Was ist Zinseszins – und warum ist er so mächtig?
Der Begriff klingt trocken, das Prinzip dahinter ist es nicht. Stell dir vor, du legst 5.000 Euro zu 7 % pro Jahr an. Nach einem Jahr hast du 350 Euro Zinsen bekommen – macht 5.350 Euro. Im zweiten Jahr bekommst du nicht wieder 350 Euro, sondern 7 % auf 5.350 Euro – also 374,50 Euro. Die Zinsen wachsen mit.
Klingt nach einem kleinen Unterschied? Nach 20 Jahren macht das mit einer monatlichen Sparrate von 100 Euro aus einem Startkapital von 5.000 Euro knapp 78.000 Euro – obwohl du nur 29.000 Euro selbst eingezahlt hast. Fast 50.000 Euro kommen allein durch den Zinseszins dazu.
Albert Einstein soll den Zinseszins einmal als das „achte Weltwunder“ bezeichnet haben.
Ob er das wirklich gesagt hat, ist umstritten – das Prinzip dahinter stimmt trotzdem.
Zinseszins-Rechner: Berechne dein persönliches Szenario
Stell die Schieberegler auf deine Werte ein – Startbetrag, monatliche Sparrate, Zinssatz und Laufzeit. Der Rechner zeigt dir sofort, wie sich dein Vermögen entwickelt und was dich ein späterer Start kostet.
Eingezahlt
Zinseszins
Was kostet dich Warten? — Vergleich zum jetzigen Start
6 Monate später starten
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12 Monate später starten
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Hinweis: Alle Berechnungen sind Beispielrechnungen ohne Steuer- und Kostenabzug. Sie dienen der Veranschaulichung und ersetzen keine individuelle Beratung.
Warum Zinseszins für Polizisten besonders interessant ist
Als Beamter hast du gegenüber vielen Arbeitnehmern einen konkreten finanziellen Vorteil: Planungssicherheit. Dein Gehalt kommt pünktlich, dein Job ist sicher, und du bekommst staatliche Zusatzleistungen – die du aktiv für den Zinseszins nutzen kannst.
Vermögenswirksame Leistungen (VL)
Als Polizist bekommst du in den meisten Bundesländern vermögenswirksame Leistungen von deinem Dienstherrn – in der Regel 6,65 Euro pro Monat. Klingt wenig, aber kombiniert mit der Arbeitnehmersparzulage (seit 2024: bis zu 240 Euro pro Jahr, wenn dein zu versteuerndes Einkommen unter 40.000 Euro liegt) und einer ETF-Besparung kann das ein ordentlicher Baustein werden. Wir haben dazu einen eigenen Beitrag geschrieben: Vermögenswirksame Leistungen für Polizisten.
Früh starten dank frühem Berufseinstieg
Viele Polizisten starten ihren Dienst mit 18 oder 20 Jahren – das ist ein massiver Vorteil beim Zinseszins. Wer mit 20 anfängt zu sparen und bis 60 anlegt, hat 40 Jahre Zinseszins-Zeit. Wer erst mit 30 anfängt, hat nur noch 30 Jahre. Dieser Unterschied von 10 Jahren kann – je nach Zinssatz und Sparrate – leicht 100.000 Euro oder mehr ausmachen.
Sonderzahlungen sinnvoll einsetzen
Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Einsatzprämien – als Polizist gibt es immer wieder einmalige Zahlungen. Wer davon konsequent auch nur einen Teil direkt investiert, kann den Zinseszins-Effekt erheblich beschleunigen. Ein Einmalbetrag von 1.000 Euro, der 20 Jahre zu 7 % arbeitet, wächst auf knapp 3.870 Euro an – ohne dass du einen Finger rührst.
Der teuerste Fehler: zu lange warten
Der Rechner oben zeigt es dir schwarz auf weiß: Wer 6 Monate später anfängt, verliert nicht nur ein halbes Jahr Einzahlungen. Er verliert auch alle Zinsen, die in dieser Zeit und in den folgenden Jahren auf dieses Kapital hätten entstehen können. Beim Zinseszins summiert sich das über die Jahre auf einen erheblichen Betrag.
Achtung: Warten kostet echtes Geld
Bei einem Startkapital von 5.000 €, 100 € Sparrate und 7 % Zinssatz über 20 Jahre kostet dich ein Aufschub von 12 Monaten rund 5.500 Euro Zinsgewinn. Das entspricht mehr als 4 Monatsgehältern eines Polizeianwärters – für nichts außer Warten.
Das häufigste Gegenargument ist: „Ich warte noch, bis ich mehr Geld habe.“ Das Problem daran: Mehr Geld bringt dir wenig, wenn du die Zeit verloren hast. Beim Zinseszins ist Zeit das wertvollste Gut – und du kannst sie nicht nachkaufen.