Private Unfallversicherung für Polizeibeamte

Ist der Abschluss einer privaten Unfallversicherung sinnvoll oder reicht die Unfallfürsorge? Worin bestehen die Unterschiede? Und vor allem: Welche Leistungen sollten in jedem Fall in einer Privaten Unfallversicherung enthalten sein? Auf diese Fragen gehen wir in diesem Beitrag ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Unfallfürsorge deckt lediglich Unfälle im Dienst oder auf dem Arbeitsweg ab.
  • Wichtige Schadensursachen wie z. B. durch Eigenbewegung, Infektionen oder Bewusstseinsstörungen sind nicht versichert.
  • Beamtenrabatte für Polizisten sind möglich:
  • Durch flexible Bausteine wird die private Unfallversicherung individuell angepasst und ein optimaler Versicherungsschutz gewährleistet.

Die TOP Unfallversicherungen für Polizisten im Vergleich

Was ist ein Unfall?

Begriffsdefinition

Per Definition liegt ein Unfall vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet (§ 178 II S. 1 VVG).

Bei genauerer Betrachtung dieser Definition fällt auf, dass ein Unfall anhand fünf Merkmalen definiert, ist:

  1. Plötzlich
  2. Von außen
  3. Unfreiwillig
  4. Ereignis (zeitlich begrenzt)
  5. Gesundheitsschädigung

Diese Merkmale sind im Versicherungsfall besonders wichtig. Nur wenn alle Merkmale erfüllt sind, handelt es sich um einen Unfall. Fehlt nur ein Merkmal, greif die Versicherung nicht.

Erweiterter Unfallbegriff

Neben diesem klassischen Unfallbegriff gibt es auch eine „weite Begriffsdefinition“. Damit gemeint sind „unfallähnliche“ beziehungsweise einem Unfall gleichgestellte Situation. So fällt eine Verletzung nach oder durch erhöhte Kraftanstrengung nicht unter den Unfallbegriff nach Definition. Das Merkmal „von außen“ ist nämlich nicht erfüllt. Neben der Kraftanstrengung können z. B. die plötzliche Einwirkung von Dämpfen oder Gasen oder auch Unfälle bei Rettung von Menschen oder Tieren unter die weite Begriffsdefinition gefasst werden. Letztlich entscheidet jeder Versicherer eigenständig, welche unfallähnlichen Situationen er versichert. Hier lohnt sich im Vergleich der Blick ins Detail.

Warum ist eine zusätzliche private Unfallversicherung sinnvoll?

Als Polizeibeamter bist du bereits in der Unfallfürsorge versichert. Die Unfallfürsorge ist vergleichbar mit der gesetzlichen Unfallversicherung durch den Arbeitgeber. Die Unfallfürsorge deckt allerdings lediglich Unfälle am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsweg ab. Die meisten der 8 Millionen jährlichen Unfälle in Deutschland passieren aber zu Hause oder beim Sport, also in der Freizeit. Hier greift die Unfallfürsorge nicht. Außerdem deckt sie nicht alle relevanten Schäden ab. So sind Schäden durch Eigenbewegungen, Infektionen und Bewusstseinsstörungen nicht versichert! Bei Folgeschäden wie Invalidität deckt die Unfallfürsorge in der Regel nur 75 % des Gehalts ab. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!

Durch individuelle Bausteine einer privaten Unfallversicherung kannst du diese Versicherungslücke schließen.

Welche Leistungen sollten unbedingt in der Privaten Unfallversicherung enthalten sein?

Um einen optimalen Versicherungsschutz innerhalb einer privaten Unfallversicherung sicherzustellen, solltest du auf einige zentrale Merkmale achten.

Die Private Unfallversicherung sollte…:

  • die Möglichkeit von Kapitalleistungen oder einer lebenslangen Unfallrente bieten.
  • im Falle einer Invalidität Kapitalleistungen bereits ab einer Invaliditätsrate von 1 % zusichern.
  • Krankenhaustagegeld/Genesungsgeld bieten.
  • Bergungskosten mitversichern.

In der folgenden Abbildung sind die Leistungsbausteine der Unfallversicherung für Polizisten aufgelistet.

Unfallversicherung für Polizisten 1

In diesem Rahmen kann eine private Unfallversicherung zusätzlich an Ihre Lebenssituation und Ihre Bedürfnisse angepasst werden.

Invalidenleistung und Gliedertaxe

Wie sieht es mit der Unfallversicherung aus, wenn du beispielsweise durch einen Unfall ein Körperteil verlierst oder Sinnesorgane nicht mehr funktionieren? Der aus einem solchen Verlust resultierende Invaliditätsgrad hängt von der betroffenen Region ab. Versicherungen legen mit der sogenannten Gliedertaxe Prozentsätze fest, welche dann greifen.

Körperteil(e) / Sinnesorgan(e)Invaliditätsgrad
Arm oder Hand100 %
Stimme100 %
Auge80 %
Bein über der Mitte des Oberschenkels80 %
Bein bis zur MItte des Oberschenkels
Bein bis unterhalb des Knies
Bein bis zur Mitte des Unterschenkels
Fuß
je 70 %
Daumen oder
Zeigefinger
je 60 %
Gehör auf einem Ohr
(zweites Ohr war bereits geschädigt)
60 %
Gehör auf einem Ohr40 %
andere Fingerje 20 %
großer Zehe15 %
Geruchssinn
Geschmackssinn
je 10 %
andere Zehe5 %
Unfallversicherung für Polizisten 2

Progression

Damit die Versicherungsbeiträge nicht explodieren wird häufig ein Progressionssystem verwendet. Angenommen du hast eine Versicherungssumme von 100.000 € ohne eine solche Progression so steigt die Leistung der Versicherung linear in Abhängigkeit zum Invaliditätsgrades. Mit einer Progression wird aus diesem linearen Anstieg ein exponentieller. Bei einer Progression von 350 % steigt die Leistung deiner Versicherung auf 3,5-fache deiner Versicherungssumme, heißt auf 350.000 €, bei 500 % dementsprechend auf 500.000 €. Somit steigt die Leistung exponentiell in Abhängigkeit der Schwere der Invalidität.

Unfallversicherung für Polizisten 3

Die Zahlen in der Abbildung dienen lediglich der Veranschaulichung, die konkreten Versicherungssummen und Progressionsraten unterscheiden sich je nach Vertrag und Versicherung. Bei Fragen stehen wir dir gerne zur Verfügung!

Mitwirkungsanteil

Leidest du an einer Vorerkrankungen solltest du bei deiner Versicherung auf den Mitwirkungsanteil achten. Den eine Versicherung prüft in der Regel, ob eine solche Vorerkrankung eine aus einem Unfall entstandene Invalidität mitverursacht hat. Ein Gutachter entscheidet dann welchen Anteil die Vorerkrankung an der Invalidität trägt und die Versicherung wird dementsprechend ihre Leistungen kürzen, vorausgesetzt der Anteil überschreitet einen vertraglich festgelegten Anteil. Dieser wird von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich festgelegt, bei manchen greift der Mitwirkungsanteil bereits ab 25 %, sehr gute Versicherungen verzichten zum Teil aber auch ganz darauf einen Mitwirkungsanteil zu berechnen.

Wie berechnet man den Mitwirkungsanteil?

Nach der obenstehenden Tabelle würde eine Verletzung am Arm welche durch einen Unfall zustande kam zu einem Invaliditätsgrad von 100 % führen. Stellt nun ein Gutachter fest, dass eine Diabeteserkrankung den Heilungsprozess stark reduziert hat und so zu 50 % der Invalidität beigetragen hat, so werden diese 50 % von den anfänglichen 100 % abgezogen.

Invaliditätsgrad: 100 % (Arm)

Mitwirkungsanteil: Diabetes 50 %

Unfallbedingter Invaliditätsgrad: 100 % – (100 % * 50 %) = 50 %

Versicherungssumme: 100.000 € (mit 500 % Progression)

Auszahlung ohne Mitwirkungsanteil: 100 % = 500.000 €

Auszahlung mit Mitwirkungsanteil: 50% = 100.000 €

Auszahlung mit Mitwirkungsanteil ohne Progression: 50 % = 50.000€

Die Werte dienen lediglich der Veranschaulichung und sind der Abbildung zu entnehmen.

Unterschied zwischen einer Unfallversicherung und einer Dienstunfähigkeitsversicherung

Da wir nun schon den Unterschied zwischen Unfallversicherung und Unfallfürsorge geklärt haben, möchten wir noch wichtige Unterschiede zwischen einer Unfallversicherung und einer Dienstunfähigkeitsversicherung erläutern.

Bei den Unfallversicherungen werden nur Schäden übernommen, welche aus einem Unfall resultieren, bei einer Dienstunfähigkeit hingegen ist die Ursache weniger relevant.

Dienstunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall?

Nun eine Frage an dich!

Tritt eine Dienstunfähigkeit in Deutschland häufiger durch eine Krankheit oder durch einen Unfall ein?

Antwort

Im Jahr 2021 war für gerade einmal 8,38 % der Fälle ein Unfall die Ursache für eine Berufsunfähigkeit! Die restlichen 91,62 % waren auf Erkrankungen zurückzuführen.

Quelle: statista: Verteilung der Ursachen von Berufsunfähigkeit in Deutschland im Jahr 2021 (R. Radtke, 2022)

Besonders wichtig für Polizisten!

Ein weiterer Punkt, den wir für enorm wichtig halten, ist die Schädigung durch Infektionskrankheiten. An diese denken die meisten Leute gar nicht bei einer Unfallversicherung. Zwar haben viele Unfallversicherungen Klauseln für Infektionen durch Einspritzung infektiöser Substanzen, so gilt diese aber nicht für den Tatbestand des Anhauchens, Anniesen oder Anhusten. Da du später in deinem Berufsalltag jedoch häufig, dir fremden Menschen begegnest, ist uns wichtig, dass du auch gegen diese Fälle abgesichert bist. Daher solltest du bei deiner Unfallversicherung genau schauen in welchen Fällen sie greift. Gerne helfen und beraten wir dich dabei!

Fazit

Der Begriff der Unfallversicherung umfasst viele verschiedene Facetten. Unfälle können immer und überall passieren. Damit du immer bestens abgesichert bist empfehlen wir dir einen genauen Blick auf den Geltungsbereich der Versicherungen zu werfen. Gerne helfen wir dir dabei deine Unfallversicherung bestmöglich auf deine Anforderungen abzustimmen!